Bau- und Flugbericht: Three Dee RIGID (TDR) von Henseleit Helicopters
Datum: Samstag 10 Oktober 2009 17:21:34
Thema:


Kein anderer Modellhelicopter sorgte im Jahr 2009 für so viel Wirbel bei seiner Markeinführung, wie der neue Three Dee RIGID (TDR) von Henseleit Helicopters. Jürgen Malberg hat für Euch einen Bau- und Flugbericht realisiert ... Bericht mit Videobeitrag



Bau- und Flugbericht: Three Dee RIGID (TDR) von Henseleit Helicopters
 
 

Info zum Autor: Jürgen Malberg hat für unsere Redaktion einen Bau- und Flugbericht zum neuen Modell-Helicopter Three Dee RIGID (TDR) von Henseleit Helicopters Deutschland realisiert. Der erfahrene Helipilot ist Jahrgang 1963 und seit vielen Jahren ein begeisterter Modellbauer. 
Zu seinen bisherigen Helimodellen gehörten Vario Skyfox 60er und X-Treme 75er, Picolo, Hirobo Sceadu 50er und SuperCobra 60er, Henseleit TD-NT 90er, minicopter Joker 2 - 700er, Align T-Rex 450V1.78 und T-Rex 600E MF 10S. Seit 2005 ist Jürgen Malberg Moderator bei  www.rc-Heli.de 
 
Irritierend! Anders kann man es nicht ausdrücken. Da fährt man zu einem Heli-Treffen um sein lang erwarteten RIGID vom Hersteller Jan Henseleit persönlich zu erhalten und dann erhält man eine große Tüte mit der Haube, den CFK-Seitenplatten und V‑Stabi 4.0 OEM und eine kleine, aber schwere Schachtel. Aber Jan hat recht: Mehr braucht es nicht zu einem fantastischen Heli, aber dazu mehr in diesem Bericht. Alles fing im Februar 2009 damit an, dass in einem Online-Forum für RC-Helis ein unscharfes Video eines vorbeifliegenden Etwas zu sehen war (http://www.youtube.com/watch?v=jHa2iS7HbCw). Wobei „fliegen“ leicht untertrieben war; dieses Etwas donnerte in einem Affenzahn vorbei. Das anschließende Gekicher des Kameramanns trug weiter dazu bei, dass eine kleine Hysterie unter den Fans von Jan Henseleits „Machwerken“begann. Noch bevor irgendwelche Fotos, techn. Informationen oder ein Preis veröffentlicht wurden, wurde dieses Etwas einfach bestellt. Der etwas später veröffentlichte Preis ist durchaus angemessen: Mechanik 888,-€, Mechanik plus V‑Stabi 4.0 1.260,-€
Ein langes Warten begann, das von der Henseleit-Mannschaft immer wieder mit einigen Video- und Informationshäppchen versüßt wurde bis endlich die erste Charge im Mai ausgeliefert wurde. Einer dieser Häppchen ist das Handbuch zum RIGID. Es wird über die Firmenseite von Henseleit-Helicopters (http://www.henseleit-helicopters.de ca. 24 MB) als PDF-Datei herunter geladen. Zum Betrachten der PDF-Datei ist der Adobe Reader nötig. Die einzelnen Baustufen können nach dem Öffnen der PDF-Datei angeklickt werden. Als Besonderheit können die technischen Darstellungen auch als 3D-Animationen gezeigt werden, die dem Betrachter unmissverständlich alle Arbeitsgänge vorführt. Ebenso kann auch jedes Einzelteil (mit Ersatzteilnummer) in seiner Einbausituation studiert werden. Trotzdem stecken viele wichtige Details im Text versteckt. Gegenüber einem herkömmlichen gedruckten Handbuch, ist diese Art der Präsentation der Montagedurchgänge aller Baustufen eine deutliche Erleichterung.
 
Der Bausatz:
 
Kommen wir zum eigentlichen Bausatz, den ich zum Heli-Vatertags-Fliegen in Heidelberg persönlich von Jan Henseleit abholte. Irritierend war es schon die sehr übersichtliche Anzahl der Teile nun selbst in der Hand zu halten, aber so ganz trocken hat Jan den Bausatz ja nicht überreicht. Eine ganze Litanei von Tipps prasselten 10 Minuten auf mich ein und so etwa die Hälfte davon habe ich mir auch merken können. Der verwöhnte Fertigbausatz-Heliflieger wird seine liebe Not haben, denn es gibt nur wenige vormontierte Baugruppen. Lediglich die Blatthalter mit Anlenkung, das Kegelrad der Zwischenwelle und beide Kegelradlager der Heckantriebswelle finden sich fertig in der Bauteileschachtel. Alle restlichen Einzelteile sind in mehreren fein säuberlich beschrifteten Baugruppentütchen.
Zum Zusammenbau wird neben dem üblichen Werkzeug für 90er-Modelle auch noch folgendes benötigt:
 
·         2x 4mm-Innensechskant
·         7er‑Maulschlüssel
·         5,5er‑Steck- oder Maulschlüssel
·         Messschieber (Schieblehre)
·         UHU Plus ‑ Endfest (sehr wenig)
·         Fühlerlehre und Zeitungspapier
·         Wärmeleitkleber für Kühlkörper des Drehzahlreglers
·         Etwas sehr gut haftendes Fett und etwas Öl
·         Heißklebepistole
 
 
Die Reihenfolge des Zusammenbaus ist zwar vorgegeben, aber die folgende scheint mir sinnvoller, da gerade die Klebungen dann genügend Zeit haben auszuhärten:
 
·       Kleben:   Heckstreben kleben
Heckanlenkgestänge kleben
Kühlkörper auf Regler kleben
·       An allen CFK-Teilen die Kanten entgraten und Haube ausschneiden (im Keller oder auf dem Balkon). Danach alles abwaschen um Kohlenstaub loszuwerden
·       BG 4:      Rotorwelleneinheit
·       BG 5:      Zwischenwelleneinheit
·       BG 8:      Heckausleger ohne Heckrotor aber mit Führung
·       BG 2:      Chassisoberteil, Getriebespieleinstellung, Chassisunterteil
·       BG 1:      Rotorkopf (noch ohne Blätter)
·       BG 9:      Heckgetriebe
·       BG 8:      Heckrotor (noch ohne Blätter)
·       BG 7:      Einbau E‑Motor
·       RC-Vorbereitung insbesondere Servomitte vor dem Einbau der Servos
·       BG 6:      Anlenkung und Servobefestigung
·       Einbau Elektronik
·       Haube kleben
·       Einstellen und Justieren inkl. V‑Stabi-Setup
 
Folgende Zeiten kann man sich als grobe Vorgabe setzen
 
1. Tag
 
- 10:30 - 15:30
- Heli vom Hersteller selbst abholen und noch ein paar Tipps bekommen (Ritzelfrage bei 10S, Haube vorne ausschneiden) und noch mit ein paar Leuten auf dem Heli-Treffen Vatertag 2009 bei Heidelberg reden
-       17:00 – 24:00 Uhr
-        Chassis und viele Tütchen
 
2.Tag
 
-       10:00 – 12:00 Uhr
-      Elektronik
-     12:00 – 13:00 Uhr
-    Rotorkopf und V‑Stabi einstellen und alles 3mal überprüfen!
-       14:00 – 15:00 Uhr
-        Haube neben der Badewanne „lackieren“
-       15:00 - ??
-        Das Ergebnis bewundern und dich selbst von deiner Besten loben lassen.
 
Insgesamt hat man also etwa 12 Stunden gemütliche Bauzeit vor sich, aber eigentlich ist es schade, dass es so kurz ist. Beginnt man nun mit dem Bau und öffnet die einzelnen Tütchen fällt gleich auf das alle Aluminiumteile eine feine samtartige satinierte Oberfläche aufweisen und alle Teile passen „satt“ in einander; Nacharbeiten ist nirgends nötig und ein Zeichen für die sorgfältige Fertigung. In der Bauanleitung ist alles sehr genau beschrieben und muss auch unbedingt gelesen werden, da sich sonst eklatante Baufehler einschleichen. So kann ich mich hier auf Besonderheiten und kleine Tipps zum Zusammenbau beschränken.
 
Vorweg schon mal der Hinweis dass sehr wenig Schraubensicherung verwendet wird und es jedem selbst überlassen ist, an manchen Stellen doch etwas zu verwenden. In der BG 4 das Spiel der 2. Getriebestufe (Hautrotorwelle) einzustellen ist relativ einfach, wohingegen in der BG 5, der Zwischenwelleneinheit, diese Einstellerei recht fummelig ist und dort eine Fühlerlehre gute Dienste leistet. Es empfiehlt sich bei allen Metall-Delrin-Getrieben etwas mehr Speil einzustellen als üblich, da Delrin einen 8fach höheren Wärmeausdehnungskoeffizienten aufweist als Stahl. So wird bei Erwärmung aus dem supertollen 1/10mm Spiel im kalten Zustand, ganz schnell eine Presspassung. Dann gibt der Klügere nach und das Delrin wird weggeschmolzen, was sich im Flug als dem weitern Vergnügen abträglich erweist und bereits des Öfteren aufgetreten ist.
Zum Einstellen des Spiels an den Delrin-Stahl-Zahnradpaarungen nehme ich statt der üblichen 2 Lagen Zeitungspapier eher 3-4 Lagen, was dann 2/10mm Spiel ergibt. Was immer wieder angenommen wird ist der Mythos „Delrin ist selbstschmierend“. Das gilt aber nur für Delrin-Delrin-Paarungen; Delrin-Stahl-Paarungen hingegen müssen geschmiert werden um dem Delrin auch ein langes Leben zu ermöglichen. Da die Haube recht nahe am Heckrohr anliegt, lohnt es sich über das Heckrohr in der BG 8 ein Schrumpfschlauch oder etwas Isolierband dort herum wickeln wo die Haube an das Heckrohr kommt. Um das Heckrohr vor Kratzer durch das Aufschieben der Heckstrebenklemmung zu schützen, empfiehlt es sich die Klemmung etwas aufzubiegen und das Heckrohr etwas einzuölen. Bei den vormontierten Blatthalter der BG 1 fällt auf das die Drucklager statt wie sonst üblich außen beim RIGID innen liegen. Aus der Anleitung geht leider nicht hervor ob diese Lager bereits geschmiert sind, aber dort zusätzlich noch einen Schuss Fett hinein zu drücken, schadet aber auch nicht. Bevor die Welle mit den Blatthaltern verschraubt wird, lohnt es sich unbedingt nochmal zu überprüfen ob man einen Rechtdreher oder Linksdreher aufbauen will. Für die Verschraubung der Blattlagerwelle ist keine Schraubensicherung vorgesehen und deshalb sollten die Gewinde unbedingt vorher entfettet werden. Bevor die Heckrotorblätter verwendet werden empfiehlt Jan Henseleit diese statisch nochmal feinzuwuchten. Eine Unwucht zeigt sich durch ein deutlich wahrnehmbares Wummern im Flug. Ich selbst konnte aber keine Unwucht feststellen.
 
Kommen wir zum Einbau der Servos und Elektronik. Um sich einiges an Fummelei zu ersparen, empfehle ich die Mitteneinstellung der Servos durchzuführen bevor sie eingebaut werden. Dazu müssen die ersten Schritte mit dem Setupmodus des V‑Stabis erledigt werden. Mit den Kreuzschlitzschrauben für die Befestigung der Servos kam ich nicht zurecht und habe sie durch Innsechskant DIN912 M2,5x10 ersetzt. Um die Servobefestigungsplatten an den Chassiseiten zu halten eignet sich hervorragend etwas doppelseitiges Klebeband. Die Servoschrauben sollten auch unbedingt mit etwas Sicherungskleber eingeschraubt werden. Achtet man bei den Anlenkgestängen penibel genau auf die angegebenen Maße, ist das spätere Setup sehr schnell erledigt. Naja, bei 3 Servogestängen, 2 Blattanlenkungen und der Heckanlenkung ist es sowieso kein großer Aufwand.
Das Ankleben des V‑Stabis und des Empfängers an das Heckservo hält allen Unkenrufen zum Trotz wirklich gut und wer unbedingt auf Nummer sicher gehen will legt noch eine Heißkleberraupe dazu. Auf jeden Fall sollte aber die Steckverbindung des V‑Stabi-Sensors mit Heißkleber gesichert werden. Das Setup des RIGID mit V‑Stabi ist sehr anschaulich beschrieben und braucht hier nicht weiter ergänzt werden. Nur eins muss erwähnt werden, um dem Zusammenbauer nicht schon beim Einstellen das Herz in die Hose rutschen zu lassen: Das ist vollkommen normal, dass die Taumelscheibe außerhalb des V‑Stabi-Setupmodus komplett schief und ungleich läuft! Zu guter Letzt „lackieren“ wir noch die Haube. Hier empfiehlt es sich das Video von der Website Henseleits anzusehen. Das Bekleben ist einfacher als es zuerst aussieht und man hat genügend Zeit der Folien in die richtige Position zu schieben. Kleine Bläschen, wenn es nicht ausgerechnet Staubeinschlüsse sind, verschwinden nach einigen Stunden. Viele meinen die Haube sei aus ABS-Kunststoff oder ähnlichem Material, weil sie so glatt ist, aber nein es ist einfach nur eine gut verarbeitete, recht leichte Haube aus GFK.
 
Henseleit bietet viele Farbkombinationen der Haube, des Fensters und des Kometen an. Hier sollte man sich aber besser von der späteren Lageerkennung im Flug inspirieren lassen, als später eine schöne, aber nur als Standmodell nutzbare Haube zu haben. Meine erste orange Haube war für mich nicht so gut erkennbar, wie die jetzige gelbe Haube.
 
Die ersten Flüge
 
Der TDR fliegt wie auf Luftschienen, anders kann ich es nicht ausdrücken. Das ist ja auch nichts Neues bei einem Henseleit und ich durfte es in ähnlicher Weise schon im 3D NT fliegen. Aber trotzdem legt der RIGID mit V-Stabi da noch eine Schippe mehr drauf: Kein Aufbäumen und Unterschneiden oder Wegrollen beim Speedflug. Alles was gesteuert wird setzt der RIGID direkt um.
 
 
Egal welche Rotordrehzahl, ob 1.300 oder 1.900 min-1, alles setzt der RIGID in präzises Fliegen um. Während den ersten Flügen lassen die Delrinzahnräder etwas Grad ab bis sie eingelaufen sind. Ich empfehle auch unbedingt nach den ersten Flügen wenn sich die Mechanik „gesetzt“ hat, alle Schrauben zu überprüfen. Ich musste nochmal die Schiebehülse des Heckrotors etwas fester schrauben.
Der Drehzahlregler Kontronik JIVE 80+HV wie auch der Pyro 30-12 aus selbem Haus sind nach dem Flug nicht sonderlich warm: 45°C bzw. 60°C bei 28°C Außentemperatur. Auch die Lipos erreichen gerademal 40°C. Hier sei nochmal der Hinweis auf das Zahnradflankenspiel bei den Delrin-Stahl-Paarungen hingewiesen: Das anfänglich zu geringe Spiel kostete mich ca. 1 Minute weniger Flugzeit und das Delrin wurde recht warm; jetzt mit ausreichend Spiel und gut gefettet, geht es länger und das Delrin bleibt kühl.
 
Fazit:
 
Der Bau des RIGID macht richtig Spaß, da alles genau beschrieben ist, sich alles gut sortiert präsentiert und alle Bauteile „satt“ passen. Leider ist die Bauzeit recht kurz.
 
 
Einen Nachteil hat das Fliegen mit dem RIGID allerdings:
Es gibt keine Ausreden mehr, dass der Heli „irgendwie komisch reagiert“ und dass „da irgendwas krumm ist“. Das könnt Ihr vergessen! Es liegt nur noch am Piloten, dass die Figur nicht funktioniert.
 
Apropo „Tütchen“: Es sind 46 Tütchen unterschiedlicher Größe … oder auch etwas mehr.
 
Konfiguration:
 
·         Henseleit 3D RIGID
·         Kontronik Pyro 30-12 mit 16er-Ritzel
·         Kontronik JIVE 80+HV
·         Rotorblätter Radix 690mm
·         3x Futaba BLS451
·         1x Futaba BLS251
·         Futaba 608FS
·         V‑Stabi 4.0
·         SLS ZX 4000 - 10S
Flightmax Zippy 5000 - 10S
 
Bezugsquelle:
 
 
Videobeitrag:

Bild-Impressionen

Autor   Jürgen Malberg
Fotograf & Grafik Walter Neyses
Urheberrecht

Alle Bilder, Grafiken und Videos unterliegen dem Urheberrecht von Jürgen Malberg und Walter Neyses

Realisiert Juli bis September 2009







Dieser Artikel kommt von RC Line Redaktion
http://www.rcline.de

Die URL für diesen Artikel ist:
http://www.rcline.de/modules.php?name=News&file=article&sid=245